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Estland 1 – Till 0 im nächsten Jahr wird der Spiess umgedreht

Aug
5
2013
Estland 1 – Till 0 im nächsten Jahr wird der Spiess umgedreht

Am Sonntag ging es für Till zum Trismile Triathlon nach Estland. Neben ein bisschen Arbeit stand auch ein Start auf der 111 Distanz an. Am Ende ging das Duell relativ klar an Estland, aber 2014 wartet die zweite Runde!

“Estland 1 – Till 0

Ganz spontan hat vor einer Woche das Telefon geklingelt. Ain-Alar Juhanson hat zum Trismile Triathlon eingeladen. Im letzten Jahr, als es noch der Tristar war, habe ich das Rennen moderiert. Dieses Jahr sollte ich einfach im Vorfeld des Rennens die Athleteninterviews für Trismile TV und ein paar Image Videos drehen.

Von daher hatte ich den Sonntag frei und konnte endlich mal bei einem Rennen an den Start gehen, bei dem ich sonst nur mit Reden beschäftigt bin. Aus meiner Erfahrung aus dem letzten Jahr wusste ich, dass ist eines der Rennen, bei dem ich irgendwann mal am Start sein muss. Die Arbeit, Liebe und Detail, die Ain in das Rennen sind der eine Grund, der andere die Schönheit und Landschaft Estlands und insbesondere der Rennlocation. Direkt am See in Püharjärve – dem heiligen See. Untergebracht ist man im lokalen Spa-Resort mit Indoor Pool (den ich mal wieder nicht von innen gesehen habe, da der See einfach zu sehr einlädt draussen zu schwimmen), Massagen, Gym, Sauna, Whirlpool und allem was dazu gehört. Die Menschen sind unglaublich entspannt und freundlich und rundherum nur traumhafte Natur, Seen, Wälder und irgendwie schaffen sie es, dass das Wetter fast immer gut ist.

Von den Rahmenbedingungen stand einem guten Rennen also eigentlich nichts im Weg oder? Wenn da nicht die dunkle Seite der Macht wäre. Das schwarze Loch für Radkoffer und Reisetaschen – der Flughafen in Paris, kombiniert mit Darth Vader der Airlines – AIR FRANCE!!

Auch während ich hier sitze weiss noch immer niemand wo mein Koffer und mein Rad eigentlich sind. Vielleicht zusammen mit Snowden irgendwo im Transit am Moskauer Flughafen auf der Suche nach Aysl. Wer weiss.

Also galt es last Minute irgendwie ein ‚Rennen zusammen zu leihen‘. Rad von Alma, einer der hochgeschossenen Damen aus Estland, Werkzeug von der Dänischen Armada, die wieder vor Ort war, Laufschuhe hat Ain besorgt und wie es der Zufall so wollte war Jan Sibbersen vor Ort und hat mir mit einem Satz Race Klamotten den Hintern gerettet….und während ich das Rad in Empfang genommen habe, war es auch schon Race Morning.

Also schnell versucht das Rad einzustellen und knallharte 3 Kilometer einfahren. Das Rad passt vorne und hinten nicht. Perfekt. Ich sitze gefühlt einen Metter hinter dem Tretlager und wenn ich mich ganz lang mache, komme ich mit den Fingerspitzen noch an die Aerobars. Naja, wenns schon keinen Druck aufs Pedal gibt, sehe ich wenigstens aus wie Superman!

Nach einem leckeren Frühstück gings dann zum Rad einchecken und so langsam kam der Schwimmstart näher. Rein in die Last Minute Klamotte von Sailfish und runter zum Schwimmstart. Noch 10 Minuten bis es losgeht und aus dem Off ruft es: “Hey Till, willste im Neo schwimmen, ich habe noch einen hier.“ und ehe ich mich umschauen konnte, hat Jan Sibbersen mich in einen G-Range reingeschubst. Zeit zum Fluten und Anpassen war leider nicht mehr. Auch egal. Ist ja nur ein Kilometer und dann wartet ja mein Superman-Gefährt schon auf mich.

Fazit des Schwimmens: Lecker ist der See. Da kann man auch mal einen Schluck extra nehmen. Nach einem recht entspannten Wechsel gings dann ab aufs Rad und ab dafür. 3 Runden standen an und insgesamt 1100 Höhenmeter bei mittlerweile nahe 30 Grad. Erstes Schlagloch erster Treffer und die Sattelstütze hat sich mal in den Rahmen verabschiedet. Auch egal, wenn das Rad eh schon nicht passt, kannste das Ding auch erstmal fast im Stehen fahren und nach nur 25 Kilometer habe ich jemanden mit einem Multitool gefunden. Dadurch, dass der Sattel soweit hinten war, musste ich so hart auf der Spitze fahren, dass ich meistens links oder rechts auf dem letzten Knochen sass. In der Mitte hätte es den Sattel versenkt. Unschön. Am Ende von Runde 1 auf die Uhr geschaut, dass passt doch noch immer ganz gut, schnell mal aufs kleine Kettenplatt schalten für den nächsten Anstieg und dann Attacke für Runde 2. ‚Äh hallo kleines Kettenblatt‘ das wollte plötzlich auch nicht mehr.

Die nächsten 2 Radrunden sind schnell erzählt. – Zum ersten mal im Leben so Krämpfe auf dem Rad bekommen, dass ich zum Stretchen absteigen musste. – Muskeln gefunden, in denen ich nicht wusste, dass man Krämpfe bekommen kann – Zum ersten mal im Leben eine Gelbe Karte bekommen und dann gleich mit 5 Minuten Zeitstrafe. Dafür einen sehr netten Schnack mit dem Kampfrichter gehabt. War eigentlich ein ganz lustiges Kerlchen und zu dem Zeitpunkt war es nun auch wirklich nicht mehr so, dass ich irgendeine Eile hatte.

Fazit Radfahren: Aua, aber einen netten Esten kennengelernt und ich muss sagen: Grad egal, wie scheisse es gerade auf dem Rad geht, die Natur hier ist einfach nur geil.

Zwei Drittel waren geschafft und es ist doch ein tolles Gefühl mit folgenden Gedanken auf die Laufstrecke zu gehen: Wenn auf dem Rad die Waden, Oberschenkel und hinterer Oberschenkel schon krampfen, dann könnt ihr mich gleich auf der Laufstrecke scheisse schreien hören.

Nach 1.5 Kilometer war es dann auch soweit. Der Quadrizeps hat so zugeknallt, dass er plötzlich weg war. Sich einfach mal an eine andere Stelle verzogen und da wo er hingehört ein leeres nichts hinterlassen. Hinsetzen war leider nicht mehr drin, also umfallen lassen. Spannend war es allemal. Ich hatte keine Ahnung, dass ein Muskel auf Wanderschaft gehen kann, wenn er keinen Bock mehr hat. Nach endlosen mitleidigen Blicken – immerhin lag ich irgendwo mitten im Wald am Strassenrand und 10 Minuten Eigenmassage gings weiter. Ganz langsam, erstmal gehen, dann ein bisschen humpeln und am Ende gar laufen. Was dann kam kann man wie folgt beschreiben: 900 Meter Laufen, Krämpfe, langsam gehen, sehr, sehr nette Gespräche in den Verpflegungsstellen führen, 900 Meter Laufen, Krämpfe, etc…

Genial waren die 5 Minuten in der Penalty Box nach 3 Laufkilometern. Das war wie man Gefängnis aus dem Fernsehen kennt. Um mich herum standen ca 15 Leute und natürlich war keine Schuld an seiner Karte. Bei jedem einzelnen waren es die anderen oder die Kampfrichter. So viele unglückliche Zufälle. Die Armen Jungs. Sowas aber auch. Ein bisschen traurig war ich schon, als ich aus der Penalty Box wieder rausgeschmissen wurde, aber ich verstehe das. Nach mir wollten viele andere auch nochmal.

Im Ziel wartete dann freundlicherweise die Damen Siegerin auf mich. Fertig geduscht und erfreute sich sehr an meinem Zieltanz. Äh pass mal auf Maja, das war kein Zieltanz, dass waren Krämpfe an 4 verschiedenen Stellen. Sowas nennt unfreiwilligen Tanz.

Fazit Lauf: Aua aber noch mehr nette Esten und noch mehr schöne Natur und mit meiner Laufzeit hätte mich mein 70jähriger Vater begleiten können.

Fazit Rennen: Was Ain hier organisiert sollte sich keiner entgehen lassen, sportlich war es nicht mein Tag, aber irgendwie habe ich trotzdem jede Sekunde genossen und bin motiviert demnächst mal wieder mit meinem Rad zu starten. Wenn wir jemals wieder ein tränenreiches Wiedersehen feiern sollten. Eine Sache die aber auf keinen Fall in Frage gekommen ist: Aufgeben. Kommt nicht in Frage. Jetzt aber erstmal wieder Wiesbaden am Mikrophon! “

Till Schenk

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