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Daniela Dihsmaier – Noch 12.348 Meilen bis nach Kona

Aug
28
2013
Daniela Dihsmaier – Noch 12.348 Meilen bis nach Kona

Nach Jahren unter dem Challenge Label verleibte sich nur ein paar Wochen vor der Austragung Ironman die Langdistanz in Kopenhagen ein. Ganz unverhofft kam Daniela Dihsmaier so zu einer Hawaii Quali. Wie sie den Wettkampf erlebte erfahrt Ihr in ihrem Wettkampfbericht. Wir sind sehr stolz und sagen herzlichen Glückwunsch und aloha!

 „Ein wunderbarer Wettkampf.

 

Ich habe irgendwann mal als Triathlon-Einsteigerin eine Badekappe geschenkt bekommen, da steht drauf: Noch 12.348 Meilen bis nach Kona. Mit den Worten: „Die kann ich nicht tragen, da denkt ja jeder, ich sei qualifiziert“, ist sie in meiner Schublade verschwunden. Aber ziemlich cool fand ich diese Kappe schon immer.

 

Als ich mich Ende April diesen Jahres für das Langdistanz-Rennen Kopenhagen am 18. August angemeldet habe, war es noch ein Challenge Rennen. Dann sechs Wochen vor dem Rennen, erhielt ich eine E-Mail vom Veranstalter: mit einem Mal war Kopenhagen Teil der IRONMAN-Serie. Und damit auch Qualifikationsrennen für die IRONMAN World Championship auf Hawaii (Kona). Für die Männer gab es 40 Slots, für die Frauen 9 Slots. Das macht bei den Mädels einen Slot pro Altersklasse (AK) aus. Bei ca. 40 Mädels pro Altersklasse keine große Hoffnung. Eine Top3 Platzierung in der AK habe ich mir zwar schon gewünscht, aber die AK zu gewinnen, so realistisch musste ich sein, war unwahrscheinlich. Auch eine heimliche Wunschzielzeit hatte ich im Kopf: 10:30 Stunden.

 

Doch schon bei der der ersten Abfahrt der Radstrecke mit dem Auto, war mir klar, dass ich mich von diesem Ziel verabschieden sollte. Selbst ein sehr guter Triathlet, der die Strecke letztes Jahr im Rennen gefahren war, sagte mir, dass er normalerweise 42kmh fahren wollte, in Kopenhagen aber nur auf 39kmh kam. Seine Schnitte sind für mich zwar außer Reichweite, aber die Aussage bestätigte meinen Eindruck vor Ort. Auch Susa gab mir in unserer letzten E-Mail Kommunikation mit auf den Weg, dass es eine „Drücker-Strecker“ sei, „auf dieser Strecke kannst Du nirgends aufhören zu drücken“, schrieb sie.

 

Und auf meine Frage, wie ich das Laufen angehen solle, gab sie mir den Rat, dass ich meinen Rhythmus finden sollte. Wenn das ein zügiges Tempo zu Beginn sei, müsse ich mich dann eben durchbeißen und das wenn möglich beibehalten. „Aber beißen kannst Du ja“, schrieb sie noch. Na, Servus. Mit einem Mal war da ganz schön viel Ehrfurcht vor diesem sehr langen, ungewissen Tag. Diese ganze Rechnerei im Vorfeld, welche Zielzeit man haben wolle, war doch Blödsinn, gestand ich mir ein. Ein IRONMAN ist keine olympische Distanz. Zuviele Unbekannte für eine eindeutige Gleichung.

 

Renntag: Ich wachte auf und war voller Energie. Chaka. Endlich! Das war der dominierende Gedanke. Und als dann der erlösende Startschuss für uns zum Schwimmen kam, reagierten wir 240 Mädels erst mal alle nicht. Konnten es wohl nicht glauben. Der Sprecher sagte: START und dann erst sprangen wir alle ins Wasser, ich in zweiter Reihe rechts. Die ersten 500m schwamm ich gleich mal alleine. Die Mädels vor mir waren direkt weg, die nach mir hatten einen argen Linksdrall, so dass sie mit großem Abstand von mir schwammen. Erst nach dem ich die erste Brücke passiert hatte, konnte ich mich dieser Gruppe anschließen, und in der blieb ich dann glücklicherweise auch bis zur dritten Brücke. Ich schwamm stets an zweiter oder dritter Position innerhalb meiner Gruppe. Gegen Ende waren wir irgendwann nur drei, dann zwei Mädchen und schließlich entschied sich jede von uns dafür einen anderen Rückweg zu schwimmen. Mit Sicherheit glaubte jede von uns, sie habe den direkten Schwimmweg ausgewählt zum Schwimmaustieg. Beim Rausrennen schaute ich auf die Uhr: 1:04:53. Damit war ich zweite in meiner Altersklasse.

 

Als zweite meiner AK, sprang ich aufs Rad. Die Strecke führt anfangs ca. 15 km durch die Stadt (direkt am Nyhavn vorbei), kurvenreich. Es folgten wunderbare ca. 20km am Meer entlang, wegen des Rückenwinds war mir das der liebste Teil der Strecke – mit Druck konnte man hier richtig Geschwindigkeit vorlegen. Danach kam der unvermutete Teil der Strecke: 35 km winklig und hügelig im Hinterland auf schlechtem Asphalt, da siehst Du Deine super Durchschnittsgeschwindigkeit schön dahinschmelzen. Um jede 0,1 kmh Deines Schnitts kämpfst du verzweifelt. Unerbittlich sinkt das Durchschnittstempo bis Du schließlich wieder auf dem Rückweg der 90 km Runde bist: eine langgezogene Auf- und AbStrecke gegen den Wind. Das heißt jeder neue Anstieg muss schwunglos genommen werde. Wer sagte nochmal Kopenhagen sei flach? Die erste Radrunde führte ich noch als 1. Frau meiner AK an. Nach zwei Radrunden und insgesamt unglaublichen 5:19 Stunden für 180,2 km war ich als knapp Dritte meiner AK in der T2.

 

Nach einem schnellen Wechsel, bei dem ich Frau Nummer 2 wieder überholte lief ich winkend durch die applaudierenden Menschen.

 

Aber was da so leicht aussah, fühlte sich längst nicht mehr so an: die Oberschenkel hatten vom Drücken schon ordentlich Vorbelastung und waren schon nicht mehr locker. Ich stellte mir Susa vor, wie sie am Rechner sitzt und meine Zeiten verfolgt. Wenn ich jetzt einbreche, dachte ich mir, dann heißt es, Du bist zu hart Rad gefahren. Das wollte ich auf keinen Fall! Dazu war ich zu stolz. Also biss ich. „Beißen kannst Du“, hatte sie gesagt und genau das war in meinen Ohren, jede Zeitmatte, jede der vier Runden. Und immer wieder war da die Verfolgerin, die mich zwischendrin wieder überholte, sodass ich wieder „nur“ Dritte war. Das Teuflische: ich hatte keine Ahnung, wie sie aussieht. Als permanente Angreiferin wusste sie aber, wer ich bin. Das Lächeln nicht mehr ganz so leicht auf den Lippen, aber die letzte Runde lag ich 3 Minuten in Führung vor der besagten Dritten meiner AK. „Je schneller ich jetzt laufe, desto früher bin ich im Ziel“, war meine bestechende und einzige noch wirksame Logik. Also rannte ich! Mit 3:47 Stunden beendete ich meinen Marathon und kam, wie ich erst auf den letzten Metern des Zieleinlaufs realisierte auf eine Gesamtzeit von 10:17 Stunden. Es genügte um 2. In meiner AK zu bleiben- mit 7 Minuten Abstand auf die Dritte.

 

Danke an Susanne Buckenlei von PET. Danke auch meinem Support-Team Papa & Bernd. Und ein dickes Bussi für Mama, die kurz vor dem Rennen entschied, mit dem Nachtzug nach Kopenhagen zu kommen, um bei meinem Wettkampf dabei zu sein.

 

Das Beste am Tag danach: der Hotdog und die Rikscha Fahrt, als mich meine Beine wegen eines gehörigen Muskelkaters nicht mehr tragen wollten. Ach ja, beinahe hätte ich es ganz vergessen, da war noch was: meine Badekappe darf ich jetzt ganz ohne schlechtes Gewissen aus der Schublade holen und tragen: die Erstplatzierte meiner AK (35-39) hatte sich schon als 8. Frau gesamt auf Lanzarote qualifiziert…“

Daniela Dihsmaier

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