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Simone Brändli – 4. Platz beim Ironman Florida in 9:00:40h

Nov
7
2013
Simone Brändli – 4. Platz beim Ironman Florida in 9:00:40h

Nach langer Krankheitszeit und dem ein oder anderen „Wettkampf-Tief“ stand für Simone Brändli der Saisonabschluss in Form des Ironman Florida an. Wieder gestärkt und ausgeruht ging sie in das Rennen. Am Ende blieb die Uhr im Ziel für sie nach 9:00:40h stehen und das bedeutete Rang 4 im sehr gut besetzten Frauenfeld.

Wir sind sehr stolz und freuen uns mit Simone.

Ihre Wettkampferlebnisse schildert sie hier für uns.

„Race-Bericht Ironman Florida 2.11.2013


Ich kam ideal vorbereitet nach Florida, erholt, mental und körperlich und die Batterien voll geladen, mit 3 Wochen Carboloading, so dass sogar ich manchmal nicht mehr gross Hunger verspürte 😉 Das „schwächelnde“ Verdauungs- und Immunsystem wegen der Parasiten, denen ich mit 1 Antiboitka-Kur noch nicht ganz den Garaus hatte machen können, hielt ich mit pflanzlichen Arzneimitteln in Schach, ziemlich erfolgreich, aber merklich nicht auf Dauer genügend. Die zweite gem. Arzt dringend notwendige Antibiotika-Kur werde ich in der Off Season machen, die nun kommt und auf die ich mich sehr freue!


Aber mal der Reihe nach: Die Vorbereitung vor Ort hier in Florida war geprägt von Ferienfeeling. Der Strand direkt vor dem Hotel schneeweiss und puderweich, Meerblick vom Zimmer aus mit allabendlichen malerischen Sonnenuntergängen und wo immer man hinblickte kulinarische Highlights anbietende typ. Ami-Food-Houses (Waffle House als Favorit 😉


Abgesehen von einem Rad (Laufrad)-Defekt beim Radtraining, der sich beim offiziellen Mechaniker gut beheben liess (dachte ich) und einem kleinen Intermezzo mit einer riesigen schwarzen Schlange beim Lauftraining etwas ausserhalb der Stadt, Gedanken um Alligatoren und Haie beim Schwimmen (beides gesehen vom Land aus), klappte die Vorbereitung einwandfrei. Donnerstag und Freitag vor dem Rennen war hier in Panama City Beach echte Weltuntergangsstimmung. Es war dunkel, stürmisch, Unheil prophezeiend und heftiger Regen prasselte runter. Dank meinem Pro-Status musste ich wenigstens nicht wie all die anderen armen Athleten das Rad am Freitag schon einchecken und konnte mit einem XXL-Starbucks und Sweets im Kino die Beine hochlagern, wo tagsüber viel Platz war.


Natürlich folgte auf die Ablenkungsphase auch eine Konzentrationsphase auf das Rennen. 118 Profi-Athleten waren am Start, das waren 38 mehr, als an der Weltmeisterschaft auf Hawaii! Und auch Klasse Frauen und Männer, einige sogar, von den Top 10 der WM. Mir war klar, dass ich die Energie auf mich selbst bündeln muss, meine Konkurrentinnen und die Gedanken an sie und ihre Startegie(n) nur Energie kosten würde. Auch das Denken in Rängen wäre an einem solchen Tag für mich nicht die richtige Strategie gewesen. Auch wenn ich mental stark bin und dies meine fast schon beste (4.) Disziplin ist, habe ich in den letzten Rennen gemerkt, dass einem ziemlich der „Laden runter“ gehen kann, wenn man den angestrebten Rang (vermeintlich) verloren hat. Dabei ist es erst im Ziel vorbei! Und genau darum war mein Motto am Ironman Florida: „Take your time to trust in me and you will find infinity!“ und „Ich mache MEIN Rennen“. Das hat sensationell geklappt!


Ich schwamm ruhig, locker, immer Körner sparend und nie die „Arbeit“ vorne verrichtend. Zwar nicht gerade eben schnell, aber dafür war ich absolut in der Komfortzone, die ich heute geplant hatte nicht zu verlassen, bis das Ziel wirklich in Griffnähe ist. Immerhin ist dies der „Wohlfühlbereich“, der sich gut anfühlt, weil ich in dem Bereich viel trainiert, darauf hingearbeitet habe, das Tempo an einem Ironman durchstehen zu können! D.h. ganz und gar nicht bummeln, aber eben im angestrebten trainierten Tempo zu bleiben. Die Komfortzone, welche die meisten Leser gerade eben wohl meinten, verlässt man an einem Ironman x-mal 😉 Ich z.B. beim 2-maligen Reinrennen ins Meer gegen die an den Strand donnernden meterhohen Wellen, oder in der Wechselzone, als mir die beiden netten Helfer versuchten den Neopren von den Beinen zu ziehen (also von den Knien abwärts über die Knöchel), was ja nett gemeint war, mich aber in hohem Bogen vom Klappstuhl auf dem ich sass auf den Boden beförderte, voll aufs Steissbein und den Klappstuhl gleich hinterherfolgend gegen den Hinterkopf. *autsch*


Auf dem Rad fuhr ich die 180km-Runde in den weiten Floridas mehrheitlich alleine (ausser eine Gruppe kam von hinten angefahren) und konnte eine solide, konstante und ausdauernde Leistung abrufen. Das eine (reparierte) Rad streifte zwar weltmeisterlich und bremste mich schon etwas runter, was mich aber nicht gross störte. Mit solchen Dingen mental geeignet umzugehen, darauf bin ich vorbereitet (Mentaltraining, regelmässig, gehört halt auch zu meinem Sport, finde ich). Wenn eine Gruppe kam, fuhr ich meist nur kurz mit, überholte dann und zog weiter. Die Spielereien in der Gruppe liegen mir nicht und die Gefahr einer Zeitstrafe sind gross. Denn 10m Distanz abzuschätzen ist a) schwierig b) erfordert Dauerkonzentration darauf, anstatt auf das Radfahren und sich selbst und c) eigentlich Willkürsache / Juryentscheid. Waren es jetzt 10, 9 oder doch gute 11m? Egal, ich wollte einfach die Energie nicht darauf verschwenden und liess die Gruppen hinter mir (nicht ziehen!) im Wissen, dass sie hinter mir viel Energie sparen, denn auch der legale Abstand hilft sehr, v.a. bei Gegenwind! Erfreulicherweise konnte sich nur eine Konkurrentin ranhalten, gutes Zeichen! Ich kam mit einer guten Radzeit an 6. Position vom Rad, was bei dem grossen Feld tiptop war, erfreulich sogar.


Da war ich weiterhin in der Position sagen zu können „meinen Beinen geht es gut, ich fühle mich wohl“ und so konnte ich auch von Anfang an locker und leicht loslaufen. Das konnte ich glaube ich noch nie an einem Ironman. Normalerweise „eiert“ man ein paar km rum, bis man sich gefangen hat. Das Aufrichten nach dem Radfahren fällt oft etwas schwer und die Beine sind meist noch müde vom „drücken“. Nicht so heute bei mir ! Ich strahlte, gab nett ein Interview (natürlich weiterlaufen) oder plauderte im Vorbeirennen mit dem Publikum und Athleten. Auch meinen Mann Reto strahlte ich an und ignorierte (nett lächelnd natürlich) sein „jetzt muesch Gas geh, die laufed schnell, gib Gas“. Denn auch hier war ich meinem Motto treu „Take your time“ und lief mein Tempo. Will hiessen, 4:30min-4:20min pro Kilometer. Grundsätzlich Verbot ich mir unter 4:25 zu laufen, kam aber auch mal vor. Ziel war es, das eintrainierte Ausdauertempo von A-Z durchzuziehen, anstatt schneller loszulaufen und dann langsamer zu werden. Ich wusste, ich kann einen 4:30-Schnitt nach Hause laufen, was eine PB von gut 10min geben würde! Das hatte ich trainiert und in dem Bereich war eben meine „Komfortzone“. Die Geduld zahlte sich aus. Nachdem ich in den ersten 60min auf Rang 9 zurückgereicht wurde, arbeitete ich mich, wie eine Schweizer Uhr laufend, kontinuierlich nach Vorne, bis auf den 4. Rang. Ob Rang 3 auch noch möglich wäre, war in dem Moment nicht in meiner Hand. Ich konnte nicht mehr schneller, hatte schon aufs Gas gedrückt so gut ich konnte (es ist auch heikel, denn die letzten 5km können unter Umständen sehr lange werden!) und es waren nur noch knapp 8km bis ins Ziel. Ich „sprintete“ gefühlt die letzten 30min in der Hoffnung, den 3. Rang noch zu schaffen, aber ganz besonders, weil ich merkte, dass ich eine Endzeit von UNTER 9 Stunden hinkriegen könnte. Eine Sub 9 Zeit haben bislang nur sehr wenige Frauen auf der Welt je hingekriegt und es ist eine Ehre, zu diesem engen Kreis zu gehören! Trotz Sprint (obj. sah es wohl nicht mehr danach aus, denn die Beine sind bleischwer und man tappt mehr vor sich hin 😉 musste ich mich um 40 sec geschlagen geben. 8;59,59 wäre wirklich das Tüpfelchen auf dem i gewesen! Aber das ändert nichts daran, dass ich sehr stolz bin über mein Resultat. Ich hätte es vor dem Rennen vorbehaltlos so unterschrieben! Gerade nach der längeren Krankheitszeit in diesem Jahr und den damit verbundenen „Wettkampf-Tiefs“, gibt mir dieser „Saisonabschluss“ grosse Zuversicht für das nächste Jahr!


Allen, die mich in dieser Saison – in guten und in weniger guten Zeiten – so herzlich unterstützt haben 1000end Dank! Ihr habt mir jeden Schritt enorm viel leichter gemacht und ich habe am Wettkampf immer wieder an euch alle zu Hause gedacht und weiss euer „dabei sein“ sehr zu schätzen!! Danke vielmals!

Liebe Grüsse Simone“

Simone Brändli

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