Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii
Vier unserer Athleten durften sich dieses Jahr auf zur legendären Ironman Weltmeisterschaft nach Hawaii machen. Für Thomas (Hellriegel) bedeutete es so kurz nach seinem Ironman in Canada einen Drahtseilakt, der leider nach dem Radfahren beendet werden mußte. Durchgekämpft bis zum Schluss hat sich Adalbert Hoenig, der sein Debüt mit dem 5. Platz in der Alterklasse beenden konnte! Wir gratulieren ganz herzlich und hoffen auf einen baldigen Wettkampfbericht nach seiner Rückkehr. Auch Martin Rüsseler befindet sich noch im an den Wettkampf angehängten, wohlverdienten Urlaub. 10:40h und der 104 AK Platz waren sein Ergebnis..mehr Info dazu hoffentlich auch in Kürze. Hohe Ziele hatte sich unser Aushänge Schild Sonja Tajsich gesteckt. Zurecht - hatte sie dieses Jahr ja schon zwei 2. Plätze und eine Fabelzeit unter 9h mit 8:59h über die IM Distanz aufgestellt. Leider hat sie beim Schwimmen sämtliche Füsse im Profeld verloren und musste sich die komplette Schwimmstrecke allein durchschlagen. Jede Hoffnung auf eine Toplatzierung war damit eigentlich genommen. Aber Sonja hat wieder einmal Kampfgeist gezeigt! Und darauf sind wir stolz. Ein 13. Gesamtplatz im Frauenfeld ist Lohn dafür!
Hier Sonjas Interview und Martins Bericht:
Es hat mir gut gefallen auf Hawaii, aber nach 3 Wochen dort habe ich mich doch sehr auf zuhause gefreut. Ich reise zwar gerne, aber eine so anstrengende 30 Stunden Reise wie nach Big Island brauche ich definitiv nicht öfter als einmal pro Jahr..
Könntest du dir vorstellen auf Big Island zu leben?
Für mich und meine Familie ist Eilsbrunn bei Regensburg unsere Heimat der schönste Flecken der Erde.
Im Ziel von Kona warst du nicht sehr zufrieden mit deinem Rennen. Wie ist dein Blick darauf jetzt knapp 2 Wochen später mit etwas Distanz?
Natürlich ist der 14. bzw. der 13. Platz (Rebecca Keat wurde disqualifiziert) ein toller Erfolg in meiner ersten Saison nach der Schwangerschaft. Zumal man bedenken muss, dass ich erst 3 Monate vor dem Rennen begonnen habe zum ersten Mal in meinem Leben als Vollprofi zu trainieren.
Aber genau deshalb, weil ich jetzt Vollprofi bin, stelle ich noch höhere Ansprüche an mich selbst und muss meine Leistungen auch kritisch sehen. Im Vorfeld wurde ich sowohl von den Fachleuten als von mir selbst als Top 10 Kandidatin gehandelt. Anschließend uneingeschränkt über den 14. Platz zu jubeln wäre nicht authentisch und auch nicht ehrlich den Leuten gegenüber die hinter mir stehen.
Ich weiß es gab Dinge in diesem Rennen die nicht optimal gelaufen sind und daran werden wir für die nächste Saison arbeiten.
Du hast betont wie hart es war nach dem verpatzten Schwimmen doch noch ins Rennen zu finden. Um so bewundernswerter war der Kampfgeist und die mentale Stärke die Du dann aufgebracht hast um doch noch ein erstaunliches Ergebnis am Ende abzuliefern. Woher nimmst Du diese mentale Stärke?
In dieser Situation gehen einem viele Dinge durch den Kopf und ich muss gestehen kurz darüber nachgedacht zu haben einfach auszusteigen. Andererseits habe ich noch nie ein DNF in meiner Karriere gehabt und das soll auch so bleiben wenn es irgendwie geht. Grundlage für meinen eisernen Willen und den Kampfgeist sind wohl abgesehen von der Veranlagung, dass ich mich durch meine Referententätigkeit viel mit Stressabbau und mentaler Stärke beschäftige und dementsprechende Literatur aufarbeite.
Dazu kommen noch meine Familie und mein toller Freundeskreis die immer hinter mir stehen und denen es prinzipiell egal ist mit welchem Platz ich aus dem Rennen komme - Hauptsache gesund.
Lass uns kurz über die einzelnen Disziplinen sprechen. Das Schwimmen...
... war eine Katastrophe, da gibt es nichts zu diskutieren. Mit einer 1:12 Std. bin ich die schlechteste Zeit meines Lebens geschwommen und habe mir die Dinge damit unnötig schwer gemacht. Wir haben im Team bereits viel darüber diskutiert und auch schon einige Erklärungen dafür gefunden.
Ich habe dieses Jahr sehr hart am Schwimmen gearbeitet, aber leider außer im Wettkampf keine Gelegenheit gehabt im Meer zu Schwimmen.
Beim IM Südafrika und IM Austria war ich sehr zufrieden mit meiner Schwimmleistung und dachte das Problem gehört endlich der Vergangenheit an. Auf Hawaii muss dann aber mit Strömung und Wellen ohne Neoprenanzug geschwommen werden, das ist einfach etwas anderes als mit Neo oder im See zu schwimmen.
Ich muss das mehr trainieren - für nächstes Jahr steht es auf meiner Lessons learned Liste ganz oben :-)
Radfahren...
... war meine Stärke diese Saison und ich war auch auf Kona damit zufrieden. Speziell wenn man bedenkt, dass mir das schlechte Schwimmen anfangs wie Blei an den Beinen geheftet ist und ich auch keinen Anschluss mehr an die anderen Profifrauen hatte.
Laufen...
... war ganz ok, aber ich weiß hier habe ich noch nicht das Niveau von vor der Schwangerschaft erreicht. Ich bin mir sicher für nächste Saison noch mehr herausholen zu können. Auf Hawaii hatte ich dummerweise die letzten 12 km Magenprobleme und dadurch noch etwas Zeit verloren.
Ein kurzes abschließendes Fazit zu Hawaii 2009?
Es ist immer noch der Mythos und man kann es mit keinem anderen Rennen vergleichen. Hawaii hat einfach andere Gesetze und die Karten werden jedes Jahr neu gemischt. Wenn alles läuft wie geplant werde ich 2010 wieder dabei sein und einen neuen Anlauf auf meinen Top 10 Traum nehmen.
Du bist jetzt in der Winterpause. Kannst Du die Saison 2009 in ein paar Sätzen zusammenfassen?
Nach der Babypause wusste ich nicht wo ich stehe und es gab eine 50/50 Chance dass ich weitermache. Der 2. Platz in Südafrika hat uns alle überzeugt. Klagenfurt war die Bestätigung und mit einer "Sub 9" Zeit ging ein Traum in Erfüllung, außerdem habe ich damit die Leistung von Südafrika sogar getoppt.
Ein tolles Erlebnis war auch die Mitteldistanz in Erlangen mit dem spannenden Zielsprint und dem um 10 Minuten unterbotenen Streckenrekord.
Über Hawaii haben wir gerade gesprochen.
Die Saison hat mir super Spaß gemacht und es hat mich sehr gefreut die vielen Mails und Anrufe mit Glückwünschen und Zuspruch zu bekommen. Ich finde es Wahnsinn, wie viel Leute in der Hawaii Nacht wach geblieben sind und mit mir am Liveticker gefiebert haben. Alles was mir dazu einfällt ist: danke, danke, danke!
Bericht Martin Rüsseler:
Nach der doch irgend wie strapaziösen Anreise im den diversen Flugzeugen in der Klasse Economy alias Human Airfright bin ich doch endlich ohne jedes Zeitgefühl auf der legendären Insel angekommen. Mit dem Öffnen der Flugzeugtür hatten man irgendwie das Gefühl eine Sauna betreten zu haben...
Am nächsten Morgen stand doch gleich mal ein erstens Schwimmen in Pazifik an (selbstverständlich mit dem vorher in der Hallen mehrfach getesteten Schwimmanzug) um sich mal einzugewöhnen. Ein kleiner Schluck auf Grund einer nicht eingeplanten Welle hat gezeigt, dass das Wasser hier verdammt salzig ist und mir jetzt klar ist, warum hier Leuten gerne schlecht wird. Trotzdem irgendwie toll, weil man in einem riesigen Aquarium unterwegs ist und sich unter einem allerlei bunte Fisch(lein) in allen Formen und Farben tummeln. (ein paar Tage darauf haben sich weiter draußen bei der letzen Boje auch noch ein paar kleine Delphine über das mit Badekappen versehene Treibgut amüsiert).
Resultat der ersten „wir schwimmen im Meer“ Einheit: massiver Hautverlust an Brust und Nacken!? –irgendwas reibt hier wie blöde. Der Schaden war dann doch so groß, dass ich den Schwimmanzug in den darauffolgenden Tagen nicht mehr anziehen konnte und ich dafür diverse Tipps von Bodyglide über Vaseline, Babyöl, Schmierseife, Petroleum? … und alles was man halt noch so alles im Haushalt findet, bekommen habe. Haben wir wieder was gelernt… Salzwasser hat einen anderen Reibungskoeffizienten….
Während der ersten Tage ging es noch relativ ruhig am Pier bei Schwimmen zu, aber mit jedem Tag tauchten da mehr und mehr Leute und Kameras auf und es wurde immer hektischer.
Nach einer Woche Vorbereitung auf den Wettkampf (mal die halbe Strecke abfahren usw. ANMERKUNG SUSA: das stand NICHT im Plan.. :-) ) und dem Anblick der Kohorten, die jeden Tag von früh bis abends in einem Wahnsinnstempo über den Alii Drive um ihr Leben gerannt sind oder sich über den Highway die ersten Rennen geliefert haben, wurde es dann doch langsam Zeit für das große Event….Jetzt stand die essentielle Frage an: Schwimmanzug oder nicht? Nach langen hin und her habe ich alle offenen Stellen, und Solche die es noch werden können, mit Leukosil zugetaped (Frankenstein), und da viel bekanntermaßen auch viel hilft noch eine halbe Dose Vaseline darüber geschmiert.
Der Schwimmstart ist natürlich ein echtes Highlight hier und wenn man dann vom Pier aus Richtung Alli drive schaut, die vielen Zuschauer sieht, die aufgehende Sonne gerade über die Berge kommt und den Dunst noch etwas von der Seite anstrahlt, dann er denkt man unweigerlich an die vielen Male, die man diese Szenerie aus den Fernsehübertragung gesehen hat, und das Beste daran: man ist selbst dabei…
Aus der großen Prügelei konnte ich mich gut raushalten und habe auch schnell ein Gruppe in gleichen Tempo gefunden. Gut dass mir die nicht unbekannten Mrs. Buder (79!), mir der ich mich in der Kloschlage unterhalten konnte sagte, dass es dieses mal kein Boot am Wendepunkt gibt- das war in der deutschen Wettkampfbesprechung nicht der Erwähnung wert befunden…Nach gut 1:14 bin ich dann doch sehr entspannt (von mit aus hätten wir auch noch gerade ein bisschen weiter schwimmen können;-)) zumindest vor meiner Erwartung aus dem Wasser gekommen und habe mich dann -oder glaubte zumindest- ordentlich mit Sonnencremen eingeschmiert und ab aufs Rad.
Die erste 120 km liefen wie geplant mit gutem Tempo ganz nach Plan. Aber auf dem Rückweg von Hawi wurde es dann langsam doch irgendwie windig und an einem eigentlich moderaten Anstieg habe ich schlagartig Standbild in den Beinen gehabt und mir so einen Krampf eingefangen, dass ich erstmal absteigen musste und den Krampft mit Gewalt wieder aus den Beinen rausdrücken musste. Da ich noch nie Krämpfe beim Radfahren hatte, war die Irritation dann einigermaßen groß. (habe während dem Rad alle 40 Minuten eine Salzkapsel eingeworfen und auch viel getrunken)- XY ungeklärt, was geht den hier ab? Also jetzt ohne Druck versuchen weiterzufahren und an der nächsten Verpflegungsstelle mal ein Gatorade organisieren und den kapitalen Fehler machen und ein amerikanisches Powergel einwerfen. Resultat dieser Aktion: direktes Entleeren des Mageninhaltes und damit der mühsam eingeflößten Kohlenhydrate über die Leitplanke. Na Bravo, den Test als Brechmittel hat das Produkt mit 100 Punkten bestanden…
So, nun war Schadensbegrenzung angesagt, jetzt wieder den Magen aufpäppeln und das ist mit Gatorade dann auch gelungen und die Krämpfe habe nachgelassen. Allerdings das Tempo auch….nur der Wind nicht….
Aber was bezahlt wird, wird auch gegessen, oder: um das Rad in die Wüste zu werfen, ist es dann doch zu schade. Also mit touristischem Einschlag noch in die Wechselzone geradelt und sich schon mal mental auf einen nicht so ganz einfachen Marathon vorbereitet. Nach dem Abwurf des Rades und kurzem Besehen meiner Schultern und der Arme war doch besser noch mal eine Ladung Sonnencreme angesagt- das sah schon alles irgendwie ungesund rot aus.
Palani rauf und mal die Beine testen, hm.. war schon mal besser. Der Magen stand irgendwo zwischen gelb und rot, also nur noch Cola einfüllen, das mit dem Gel kennen wir ja jetzt schon. Und langsam wird es wirklich heiß- irgendwie geht mir der Fahrtwind ab…Also Eis in die Mütze füllen und immer einen Becher über die Rübe, dabei nicht das Wasser mit der Cola verwechseln. Hin und wieder liegen oder kotzen ein paar Mitstreiter auf den Alii drive (vermutlich auch Gel Tester?). Auch einige Wanderer sind auch schon anzutreffen. Der für schnelles Laufen wichtige gute Rhythmus wollte sich aber einfach nicht einstellen und der Wasserstand in den Schuhen sorgte für ein paar prima Blasen an den Füßen, die dann auf den letzen 10km auch noch aufgegangen sind…erst nach der “ Karawane der Leidenden“ aus dem Energie Lab –bin ich hier in ein Kaugummi getreten oder warum kleben die Schuhe so am Asphalt - konnte ich wieder ein bisschen mehr draufdrücken, in der Hoffnung, dass das Ziel doch jetzt eigentlich bald kommen müsse. Aber da waren noch einige Wellen auf dem Highway, die ich schon wieder ausgeblendet hatte. Das Abendlicht hat eine unglaubliche Szenerie über die Silhouette Kailuas gezaubert und nach Hannes Anfeuerungsinsel endlich Palani wieder runter und im großen Bogen einmal rum ins Ziel. Die letzen Meter sind natürlich wie im Traum, eine Menge Zuschauer säumen den Einlauf, und wenn Dir Mike Riley ins Ohr brüllt weist Du, dass Du dort angekommen bist, wo alles angefangen hat…
Fazit: Ein unwiederbringliches Erlebnis und eine riesen Schinderei – Hawaii ist halt doch irgendwie was besonderes.
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