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Kathrin Maniak meistert Ihren ersten Halbmarathon

Der Halbmarathon in Fürth war für Kathrin Maniak der erste Wettkampf über diese Distanz. Wie es Ihr dabei ergangen ist, lest Ihr auf den folgenden Seiten.  

Mein erstes Halbmarathon-Finish

oder

in 11 Monaten von 0 (in Worten: null) m bis 21 km

Die meisten Besucher dieser homepage werden wahrscheinlich schon bei der Überschrift ein bisschen schmunzeln (was völlig erlaubt ist!), denn angesichts der Leistungen der vom Professional-Endurance-Team betreuten Athleten, über die hier in der Regel berichtet wird, und vor denen ich den höchsten Respekt habe, kommt es mir selbst fast schon nicht mehr so toll vor, mein erstes Halbmarathon-Finish.

Obwohl es das ist!

Denn es ist der Beweis dafür, dass man ein Ziel, das zunächst völlig fern, nahezu unmöglich, erscheint, erreichen kann, wenn man 1. vor allem will und 2. jemanden hat, der es aus einem herausholt, und es ist der Beweis dafür, dass 3. Laufen glücklich macht - vor allem, wenn man im Ziel angekommen ist! 

Letztes Jahr noch stand ich beim Jahrtausendmarathon in Fürth mit einem Freund als Zuschauer bzw. als Teil des logistischen Backups am Rand - beide eingeteilt zur Entgegennahme der Jacke bei km 2 und des nassen T-Shirts im Ziel, zumindest ich in einem Fitness-Zustand von Minus 10 (auf einer Skala von 0-100), völlig begeistert von den Typen, die mit langen, kraftvollen Schritten in einer für mich unvorstellbaren Zeit nach 21 km blendend aussehend ins Ziel rasten, aber vor allem sehr verwundert darüber, dass auch völlig unsportlich wirkende Menschen diese Halbmarathonstrecke nicht nur mitgelaufen sondern auch angekommen sind. Dann muss es zu schaffen sein! Auch für mich. Dachte ich.

Allerdings bin ich zuvor noch nie in meinem Leben gejoggt und bin auch sonst keine  Sportskanone. Ich spanne meinen Schirm beim ersten Regentropfen auf und hasse Wind und Kälte. Und eigentlich will ich mich auch nicht quälen.

Aber ich habe mir tatsächlich relativ kurz nach diesem Jahrtausendmarathon Laufschuhe gekauft (die ich zwar gezwungen wurde, wieder umzutauschen, da ich mich nicht richtig hätte beraten lassen - so bin ich dann bei Synergy Sports gelandet) und hab es gemacht: angefangen.

Die ersten Male waren schrecklich. Mein Mann, der mich begeleitet hat, weil er nicht glauben konnte, das ich WIRKLICH zum Joggen gehe, hat nach einigen hundert Metern Traben angefangen, neben mir her zu GEHEN mit der Begründung, so langsam KÖNNE er gar nicht laufen (was ich ziemlich frustrierend fand), nach gefühlten 20 Minuten, in Wahrheit leider nur 7 musste ich schon das erste mal gehen und nach insgesamt 40 Minuten unterwegs war ich so platt, dass ich trotz der üblichen Zeit zum Abendessen nicht mal mehr Hunger hatte - angeblich eine normale Reaktion des Körpers, wenn der Mensch auf der Flucht ist!

Nach drei Wochen hab ich es aber schon auf 45 Minuten am Stück gebracht, allerdings war der Puls beängstigend hoch (schon nach dem Schuhe zuschnüren) weshalb ich aus Sorge, ich könnte eventuell beim nächsten Run kollabieren, einen Laktattest gemacht habe - und so bin ich dann bei Susa gelandet.

Den Trainingsplan, den Susa dann angefangen hat, zu schreiben, liebe ich - ich muss nichts denken, ich muss es nur machen. Ich laufe seitdem bei Wind und Wetter, bei Kälte, bei Regen, bei Hitze, früh morgens, im Urlaub und notfalls auf dem Band. Und ich hab richtig Spaß dabei. Das ist vielleicht das Unglaublichste daran.

Ich habe als Anfänger natürlich viele Dinge lernen müssen, die einem Sportler von vorne herein einleuchten - aber eben nicht mir.

Z.B., nimm auf längere Einheiten ein Taschentuch mit, wenn Du nicht cool genug bist, trotz entgegenkommender Spaziergängerströme auf die Straße zu rotzen, weil Du Dich sonst nicht mehr aufs Laufen konzentrieren kannst; nimm auf längere Einheiten was zu Trinken mit (auch wenn Du dann wegen der handgranatenähnlichen Flaschen an diesem doofen und unbequemen Gurt eher aussiehst wie ein Selbstmordattentäter als ein Läufer), weil das Verdursten auf der Strecke für den Puls ganz schlecht ist - und gib auf keinen Fall dem Trainingspartner, der sich vorher geweigert hat, selbst was mitzunehmen (braucht er nicht!) und dann mit trockenem Mund und dicker Zunge leidend neben Dir herläuft, etwas ab, denn sonst reicht es für Dich selbst nicht und der andere ist einfach echt selbst schuld; iss ausreichend vor Deinen langen Läufen oder nimm Dir was mit, denn der mantra-artige Gedanke an etwa „Streuselkuchen, Streuselkuchen, Streuselkuchen" ist für den Puls auch ganz schlecht, das Gras am Wegesrand ist keine wirkliche Alternative und ein vorgetäuschter Ohnmachtsanfall auf der Höhe eines Grill-outs an der Pegnitz, die es dort am Sonntag wirklich zur Genüge gibt, wäre vielleicht eine zu übertriebene Maßnahme; iss aber auf keinen Fall kurz vor dem Training ein dickes Sandwich mit Mayo, das Dir dann so schwer im Magen liegt, dass Du einen Schluck Fernet Branca hinterherjagen musst, denn diese Mischung ruiniert Dir nicht nur das Training sondern in Kombination mit diesem den gesamten Rest des Tages.  

Susa hat mich auf den großen Tag nicht nur mit einem guten Plan vorbereitet, sondern hat darüber hinaus mit größter Geduld trotz eigener anstehender Wettkämpfe (DANKE SUSA) alle meine für erfahrene Sportler sicherlich total merkwürdigen Fragen, die mich so kurz vor dem WK dann doch beschäftigt haben, beantwortet

(Meinst Du, ich brauch was Langärmliges? - was LANGÄRMLIGES? Auf keinen Fall, es wird Dir warm werden, glaub mir. - Was mach ich denn, wenn ich unterwegs Hunger kriege? - Nimm halt ein Gel mit. - Und wo soll ich das transportieren in dieser ultrakörper-betonten Laufhose? - Dieses Problem habe ich dann eigenständig gelöst, indem ich die olle Hose mit den vielen Taschen angezogen habe J In diesem Zusammenhang frag ich mich immer, ob wohl die Leute, die diese Hosen entwerfen, selbst mal gelaufen sind? Wahrscheinlich nicht, denn sonst wüssten die, dass EINE Tasche zu wenig ist, denn wie soll man denn während des Laufens mit klebrigen Fingern das Taschentuch (von vorhin) in einem Stück aus diesem Täschchen pfriemeln, ohne den Schlüssel zu verlieren, der da auch drin ist? Na egal.)

und was soll ich sagen: es hat funktioniert!

Ich bin tatsächlich angekommen. Ich bin tatsächlich 21 km gelaufen am 15.6.2008 in Fürth. Und die meisten, die mich kennen, haben es vorher nicht wirklich geglaubt.

OK, die Zeit von 2:17 ist verbesserungsfähig, aber ich bin schon dabei.

Ich spanne zwar immer noch meinen Schirm beim ersten Regentropfen auf, aber nur, wenn ich keine Laufschuhe anhabe J

Mal sehen, was das nächste Jahr dann bringt - ich bin Euch auf den Fersen.

Ich wünsche allen, dass sie ihre selbst gesteckten, individuellen Ziele erreichen und sich damit genauso gut fühlen, wie ich!

Viele Grüße, Kathrin.

Nachricht vom 04.08.2008

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