{"id":1449,"date":"2014-04-11T18:25:03","date_gmt":"2014-04-11T16:25:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.professional-endurance-team.de\/?p=1449"},"modified":"2014-04-14T18:34:38","modified_gmt":"2014-04-14T16:34:38","slug":"ironman-suedafrika-beim-ersten-mal-tuts-weh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.professional-endurance-team.de\/?p=1449","title":{"rendered":"Ironman S\u00fcdafrika \u2013 beim ersten Mal tuts weh!"},"content":{"rendered":"<p>Der Ironman S\u00fcdafrika war f\u00fcr Till Schenk die Langdistanzpremiere. Wie er diese erlebt hat berichtet er in den kommenden Zeilen.<\/p>\n<blockquote class=\"quoteleft \"><p> Ironman S\u00fcdafrika \u2013 beim ersten Mal tuts weh! Was hat man nicht alles f\u00fcr Ideen vor dem ersten Ironman. Eigene Vorstellungen davon, wie das Rennen laufen kann, wie es sich anf\u00fchlen wird, wie der Zieleinlauf wird und wie die Beine hinterher weh tun.<\/p>\n<p>Nach fleissigem Training und detaillierter Planung mit dem Coach ging am Sonntag morgen das Abenteuer Ironman S\u00fcdafrika \u2013 mein erster \u2013 p\u00fcnktlich um 6:40 los. Das Vertrauen war gro\u00df, das Training lief relativ gut und die Angst war der Begeisterung gewichen.<\/p>\n<p>Hier ist wie das Rennen in meinem Kopf h\u00e4tte laufen sollen: Morgens 6:40 \u2013 mit dem Bewustsein nicht der st\u00e4rkste Schwimmer zu sein, stelle ich mich leicht seitlich beim Schwimmen in den hinteren Gefilden an. Sicheres Schwimmen war das Motto, beim Radfahren und Laufen kann ich dann wieder aufholen. Das Meer ist wie gewohnt in S\u00fcdafrika ruhig und die Orientierung einfach. Schliesslich haben wir den f\u00fcr Port Elizabeth normalen Westwind. Ca. 7:50-8:00 &#8211; ich steige ohne Probleme aus dem Wasser, die Wechselzone wird durchflogen und zum ersten mal in 5 Rennen verhaue ich nichts beim Wechsel sondern es l\u00e4uft einfach mal. Schliesslich habe ich mir vorher genau die Wege, den Ablauf, etc angeschaut. Rad Kilometer 45 \u2013 jetzt wird es nett. Die meisten H\u00fcgel der ersten Runde sind geschafft und ich bin voll motiviert, da ich als Bleiente im Wasser nat\u00fcrlichweise auf dem Rad aufholen konnte. Au\u00dferdem weht ja der nette Westwind, der mich konsequent die n\u00e4chsten 45 Kilometer ins Richtung zweiter Runde blasen wird. Rad Kilometer 135 \u2013 die Motivation ist riesig. Ich habe mein erstes \u2018Loch\u2019 in den H\u00fcgeln der zweiten Runde \u00fcberstanden, die Beine f\u00fchlen sich wieder gut an, ich \u00fcberhole weiter fleissig und ich weiss: Westwind. Die letzten 45 Kilometer weht er wieder direkt von hinten. Das treibt die Motivation in den Himmel mit dem Gef\u00fchl des Fliegens in Richtung Wechselzone zu kommen. Wechselzone 2 \u2013 wieder ein super Wechsel und die Beine wollen unbedingt direkt einen 4:30 Schnitt anschlagen. Sie sind ja frisch nach so viel R\u00fcckenwind und ich muss mich zwingen langsamer zu laufen, da der Tag beim Laufen lang ist. Ich weiss aber auch: Das Training war gut und ich kann das. 4:50 anfangen und dann in einen 5er Rhythmus wechseln. Laufen Kilometer 21 \u2013 so langsam nerve ich mich selbst. Diese st\u00e4ndigen Selbstgespr\u00e4che und die unterschiedlichen Stimmen im Hirn. Ich lerne wie nervig ich sein kann, aber das Engelchen auf der linken Schulter gewinnt und die Beine laufen weiter. Laufen Kilometer 25 \u2013 die Energie kommt wieder, das Tempo ist ein wenig langsamer, aber das Ziel kommt immer n\u00e4her. Ich weiss, das wird heute was. Laufen Kilometer 38 \u2013 das Hirn dreht durch, das Ziel ist in \u2018Schussweite\u2019, jetzt nochmal alles geben und dann geniessen. Zieleinlauf \u2013 es gibt kein halten mehr. Auf das Ding habe ich so hart trainiert und vor allem so lange gewartet, nachdem es hiess: Herr Schenk: F\u00fcr sie wohl eher keinen richtigen Ausdauersport mehr. 4.5 Jahre sp\u00e4ter und ich habe das Gegenteil bewiesen. Da darf man auch mal heulen. Die Tage nach dem Rennen: Der K\u00f6rper ist alle, ich will mich nicht mehr bewegen und die Zufriedenheit ist riesig bei jedem Schmerzenden Schritt. Core und insbesondere Beine sind m\u00fcde und ich schlafe den ganzen Tag nur.<\/p>\n<p>Hier ist, wie die Realit\u00e4t aussieht: 6:40 \u2013 ich weiss mein Schwimmen ist besser geworden. Ich stehe mitten im Pack im vorderen Drittel und denke nur. Heute teile ich im Zweifel mal selber aus im Wasser. Leider gibt es heute keinen Westwind sondern Ostwind und das heisst: Wellengang beim Schwimmen und die Vorfreude auf einen bitteren Kampf auf dem Rad. Rein ins Get\u00fcmmel und erstmal ordentlich Salzwasser schlucken und dann dauert es auch nicht lange, dass es das erste mal so richtig im Geb\u00e4lk kesselt und ich kurz \u00fcberlege, wie ich wohl Ein\u00e4ugig aussehe. Egal, war ha so ausgesucht und es standen noch 3.6 Kilometer an. Kein Problem, das Schwimmen im Pool war gut und die Orientierung durchgeplant. Ach warte mal: Mach mal nen Haken an orientieren, wenn da immer Wellen im Weg sind. Ca 4.2 Kilometer sp\u00e4ter hat das leiden ein Ende und ich habe Ecken des Indischen Ozeans gesehen, die vom Rennveranstalter so nicht eingeplant waren.<\/p>\n<p>7:57 \u2013 die Wechselzone l\u00e4uft tats\u00e4chlich Reibungslos und die Motivation f\u00fcrs Rad ist gro\u00df. Vielleicht etwas zu gro\u00df. Rad Kilometer 45 \u2013 der Westwind ist ein Ostwind und anstatt 45 Kilometer R\u00fcckenwind entlang der K\u00fcste kommt die olle Socke immer sch\u00f6n von Vorne. Ich f\u00fchle mich, als w\u00fcrde ich versuchen mit dem Triathlonrad durch Treibsand zu fahren. Rad Kilometer 135 \u2013 ich bin die letzten Kilometer mit etwas weniger Druck gefahren, schliesslich soll in den Beinen noch etwas f\u00fcr die Laufkilometer drin bleiben. Wird aber leider nichts. Der Gegenwind auf den letzten 45 Kilometer hat jetzt noch mal richtig Gas gegeben. Sch\u00f6n mit 35km\/h frontal von vorne. Eigentlich will ich mich gerade nur hassen, habe aber keine Kraft daf\u00fcr. Ca 140 Kilometer der neuen Radstrecke erinnern an die Panzerplatten-Strassen im ehemeligen Ostdeutschland. Der ganze K\u00f6rper schmerzt, da es ununterbrochen r\u00fcttelt und die Strasse einen Schlag nach dem anderen austeilt.<\/p>\n<p>Wechselzone 2 \u2013 hier l\u00e4uft es wieder reibungslos. Konservative beim Laufen angehen, geht mir durch den Kopf. Laufen Kilometer 21 \u2013 bis hierhin habe ich mich schleppen k\u00f6nnen und die Selbstgespr\u00e4che nerven tats\u00e4chlich. Die Knochen knacken, aber es gibt nur einen Gedanken: Nicht gehen. Immer laufen. 500 Meter sp\u00e4ter ist mit dem Gedanken schluss. Es wird schwarz vor Augen und ich setzte mich besser mal hin. Auch zwei weitere Laufversuche taugen nichts und spatziere mal entspannte 7km. K\u00f6nnte kotzen, aber das w\u00fcrde jetzt gerade auch nicht helfen. Also lasse ich das mal. Laufen Kilometer 26 \u2013 die Sonne wird endlich schw\u00e4cher und mit dem ersten Schatten kommt die Energie wieder. Lockers Laufen funktioniert. Laufen Kilometer 35 \u2013 viele Selbstgespr\u00e4che sp\u00e4ter ist das Schwindelgef\u00fchl wieder da. Jetzt riskiere ich nichts mehr. 11, 12 oder 13 Stunden. V\u00f6llig egal, aber Umkippen ist keine Option. Laufkilometer 37 \u2013 ach mein K\u00f6rper kann mich mal. Ich will im Tageslicht ins Ziel, aber viel Zeit ist lieber nicht mehr. Also dann halt doch umfallen riskieren. Die letzten Kilometer werden gelaufen und dann auch richtig. Wichtig ist die richtige Form. Wie einmal jemand zu mir sagte: Wenn Du was nicht kannst, dann versuch wenigsten dabei gut auszusehen. Zieleinlauf \u2013 ja wo sind sie denn die Emotionen. Ich br\u00fclle einmal lauf, aber mehr weil man das hier anscheinend irgendwie so macht. Gef\u00fchlt von innen ist nichts. Mehr ein. \u2018\u2019Ok, nu ist vorbei. Gibt es hier irgendwo etwas zu essen?\u2019\u2019 Die Tage nach dem Rennen \u2013 es sind nicht die Beine, Core oder \u00e4hnliches was weh tut. Das Gesicht ist aufgequollen. Egal wie viel ich trinke, es bleibt das Gef\u00fchl dehydriert zu sein, der ganze Mundraum schmerz und schwillt bei jedem Essen an und die Z\u00e4hne sind empfindlich vom ganzen Zucker. Das hat einem vorher keiner erz\u00e4hlt. Erinnert mich ein bisschen wie an das was Frauen \u00fcber Kinder kriegen sagen. Alle sagen das es eine tolle Sache ist und keiner erz\u00e4hlt was danach erstmal alles sch&#8230; ist. Zum ersten mal im Leben denke ich: Ich weiss wirklich nicht, ob ich das jemals wieder brauche. Ein Gedanke, der genau eine Nacht h\u00e4lt. Am n\u00e4chsten morgen wird geschaut: Welche Langdistanz passt als n\u00e4chstes rein und ich weiss: \u2018\u2019Verdammt. Ich bin ein S\u00fcchtiger. Was bin ich froh, dass es nicht Pillen oder Alkohol sind\u2019\u2019 <p><cite>Till Schenk<\/cite><\/blockquote><div class=\"clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ironman S\u00fcdafrika war f\u00fcr Till Schenk die Langdistanzpremiere. 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